Nordische Rassen - Grönlandhund

Grønlandshund

Der Grönlandhund ist der ungeschliffenste der Schlittenhunde, dessen Wesen noch am ehesten an das seiner Vorfahren, den Wölfen, erinnert. Grönländer sind Arbeitshunde, die gefordert werden müssen, die eine starke, e r f a h r e n e Führung benötigen und die eine bestehende Rangordnung innerhalb des Rudels, zu dem natürlich auch der Halter gehört, immer wieder aufs Neue in Frage stellen und ausgekämpft haben wollen, was schon einmal zu ernsthaften Verletzungen führen kann. Falsch verstanden und falsch gehalten können diese Hunde für Sie und die Umwelt gefährlich werden. Sie werden es versuchen und auch schaffen, ihre ungenutzten Energien anderweitig loszuwerden. Den Grönländern ist der natürliche Jagdtrieb tief ins Wesen gepflanzt und auch wenn sie in der Schweiz und den skandinavischen Ländern schon in mehreren Generationen Gezüchtet werden, sind sie immer noch die ursprünglichsten Schlittenhunde überhaupt. Wie alle Schlittenhunde sind Grönländer keine unberechenbaren Beißer oder Ungetüme. Sie sind absolut menschenfreundlich und zeigen sich auch verschmust, aber eine ursprüngliche Rauheit ist ihnen mindestens ebenso eigen.
Als Schlittenhund ist er ausdauernd und in der Lage, auch sehr schwere Lasten zuverlässig über große Distanzen zu bewegen. Von seiner Erscheinung her ist der Grönländer ein kräftiger, stark gebauter Hund. Rüden haben eine Schulterhöhe von mindestens 60 cm, Hündinnen mindestens 55 cm. Die Gliedmaßen sind muskulös und die Brust kräftig und tief. Auch die Grönlandhunde haben den typischen, dichten Doppelmantel, wobei alle Farbschläge erlaubt sind, nur Albinos werden nicht toleriert. Die Rute ist geringelt, eher kurz und wird über dem Rücken getragen. Selbst in den Händen eines erfahrenen Mushers ist der Grönlandhund noch immer unberechenbarer, als all seine Verwandten. Auch wenn Sie sich durch seine Urtümlichkeit und sein Ungestüm angesprochen fühlen, er ist kein Hund, der zu einem anderen Zweck als der harten Arbeit am Schlitten angeschafft werden kann.
Seine Ausdauer beim ziehen schwerer Lasten hat den Erfolg der Südpolexpedition Amundsens erst ermöglicht, und in der Schweiz wurden Grönlandhunde zum Lastentransport beim Bau der Jungfraubahn eingesetzt.

   

Einer der ältesten Hunde der Welt.

FCI-Standard-Nr. 274 / 12.03.1999 / D Grönlandhund (Grønlandshund)

Ursprung: Grönland

Patronat: Dänemark

Datum der Publikation des gültigen Originalstandards: 12.03.1999

Verwendung: Schlittenhund

Klassifikation FCI: Gruppe 5, Spitze und Hunde vom Urtyp Sektion 1, Schlittenhunde ohne Arbeitsprüfung.

Geschichte: Der Grönlandhund ist eine der ältesten Hunderassen der Welt. Er ist seit frühesten Zeiten von den Eskimos als Transport- und Jagdhund verwendet worden. Die Auswahl der Zuchthunde erfolgte hauptsächlich aufgrund von Eigenschaften wie Kraft, Robustheit, Zähigkeit und Ausdauer, wobei aber ein attraktives äußeres Erscheinungsbild ebenfalls angestrebt wurde. Mit seiner robusten Natur ist der Grönlandhund besonders geeignet für Leute, die ein Leben im Freien genießen wollen. Er ist ein vorzüglicher Gefährte für Leute, die gerne durch Wälder und in den Bergen wandern, wobei der Hund ihre Ausrüstung zieht oder trägt.

Allgemeines Erscheinungsbild: Der Grönlandhund ist ein sehr kräftiger Polarspitz und so gebaut, daß er die nötige Ausdauer bei der harten Arbeit eines Schlittenhundes unter arktischen Bedingungen aufbringen kann. Eine gewisse Variation an Größe wird akzeptiert, sofern dadurch die Leistungsfähigkeit und die Harmonie des Hundes nicht beeinträchtigt werden.

Wichtige Proportionen: Der Körper paßt in ein kurzes Rechteck, wobei das Verhältnis der Widerristhöhe zur Körperlänge 10: 11 betragt. Hündinnen dürfen einen etwas längeren Körper haben.

Verhalten / Charakter (Wesen): Die vorherrschenden Charaktereigenschaften des Grönlandhundes sind Energie, Beharrlichkeit und Mut. Er ist ein passionierter und unermüdlicher Schlittenhund. Menschen, auch Fremden gegenüber, verhält er sich freundlich; wenn er als Schlittenhund verwendet wird, ist er nicht an eine bestimmte Person gebunden und ist deshalb auch nicht als Wachhund geeignet. Er zeigt einen starken Jagdinstinkt für Seehund und Eisbär.

Kopf: Oberkopf: Der Schädel ist breit und leicht gewölbt, am breitesten zwischen den Ohren. Der Stop deutlich, aber nicht stark betont.

Gesichtsschädel: Der Nasenschwamm ist groß und von dunkler Farbe, der Farbe des Haarkleides entsprechend; oft leberfarben bei Hunden mit rot-goldenem Haarkleid. Im Winter darf er fleischfarben werden (Wechselnase). Der Fang ist Keilförmig, am Ansatz breit, verjüngt sich zur Nase hin, ist aber nicht spitz. Der Nasenrücken ist vom Ansatz bis zum Nasenschwamm hin gerade und breit. Die Lippen sind dünn und straff, dem sehr kräftigen Gebiß eng anliegend. Er hat Starke Kiefer mit regelmäßig angeordneten, gesunden und kräftigen Zähnen. Scherengebiß. Die Augen sind Vorzugsweise dunkel, können aber der Farbe des Haarkleides angepaßt sein; leicht schräg gestellt, weder hervortretend noch zu tief eingebettet; freier, furchtloser Ausdruck. Augenlider gut anliegend. Die Ohren sind Eher klein, dreieckig und an den Spitzen abgerundet; stramm aufrecht getragen. Sehr beweglich und ausdrucksvoll durch ihre jeweilige Haltung.

Hals: Sehr kräftig und eher kurz.

Körper: Kräftig und ziemlich kompakt, nur geringfügig länger als die Widerristhöhe.

Obere Profillinie: Horizontal oder ganz leicht abfallend. Der Rücken ist Gerade, die Lenden Breit, die Kruppe Leicht abfallend, die Brust tief und breit, der Rippenkorb jedoch nicht faßförmig. Die untere Profillinie und der Bauch: Folgen der Linie des Brustbeins. Darf etwas aufgezogen sein.

Rute: Hoch angesetzt, dick und buschig. Sie wird bogenförmig gekrümmt oder leicht eingerollt über dem Rücken getragen.

Gliedmaßen: Von vorne betrachtet sind die Vorderläufe vollkommen gerade; kräftige Bemuskelung und schwerer Knochenbau. Die Schultern mäßig schräg gelagert. Der Oberarm gerade und kräftig, etwas länger als das Schulterblatt. Die Ellenbogen frei beweglich, aber am Körper anliegend. Unterarm gerade und kräftig. Vorderfußwurzelgelenk kräftig und biegsam. Vordermittelfuß kräftig und elastisch, nur leicht schräg gestellt. Vorderpfoten ziemlich groß, kräftig und rundlich, mit starken Krallen und Ballen. Von hinten betrachtet sind die Hinterläufe vollkommen gerade; starke Bemuskelung, schwerer Knochenbau, mäßige Winkelungen. Die Schenkel kraftvoll und sehr muskulös. Das Sprunggelenk breit und kräftig, mäßig gewinkelt. Die Hinterpfoten wie die Vorderpfoten.

Gangwerk: Ein leistungsfähiger, harmonischer, fließender und unermüdlicher Trab ist für einen Schlittenhund höchst wichtig. Im Ausstellungsring sollte der Hund an loser Leine in einem gemäßigten Trab vorgeführt werden, um den guten Vortritt der Vorderhand und den kräftigen Schub aus der Hinterhand vorzuzeigen. Von vorne gesehen, zeigt der Grönlandhund im Schritt kein sog. "Schnüren", sondern erst mit zunehmender Geschwindigkeit konvergieren die Läufe allmählich, bis die Pfoten der Mittellinie folgen.

Haarkleid: Doppeltes Haarkleid; dichte und weiche Unterwolle sowie ein dichtes, glattes und harsches Deckhaar ohne Locken oder Wellen. Das Haar ist am Kopf und an den Läufen eher kurz, länger und reichlicher am Körper, lang an der Unterseite der Rute, was sie buschig erscheinen läßt. Alle Farben, ob ein- oder mehrfarbig, sind gleichermaßen zulässig mit Ausnahme der Albinos; diese sind auszuschließen.

Größe: Widerristhöhe für Rüden 60 cm und mehr, für Hündinnen 55 cm und mehr.

Fehler: Jede Abweichung von den vorgenannten Punkten muß als Fehler angesehen werden, dessen Bewertung in genauem Verhältnis zum Grad der Abweichung stehen sollte. Leichter Knochenbau. Kurze Läufe, tief gestellter Körper. Ängstlichkeit.

Schwerer Fehler: Langes und weiches Haarkleid.

Ausschließende Fehler: Albinismus, Aggressivität.

N.B.: Rüden müssen zwei offensichtlich normal entwickelte Hoden aufweisen, die sich vollständig im Hodensack befinden.