Dogpulling

Dogpulling & Weightpulling

Das Dogpulling hat seinen Ursprung in den Geschichten von Jack London. In seinem Roman Wolfsblut führen die Trapper und Goldgräber einen Wettbewerb durch bei dem ihre besten und stärksten Hunde versuchten einen Schlitten loszueisen. In der Nacht zuvor schüttete man Wasser über die Kufen eines Schlittens und wartete bis zum Morgen. Der über Nacht festgefrorene Schlitten musste dann von den Hunden am anderen Morgen losgebrochen werden. Natürlich gelang es nur Wolfsblut diese Aufgabe zu bewältigen.

Weight Pull Es ist ja bekannt, dass ein Hund das sechsfache seines Eigengewichtes ziehen kann, wohingegen ein Pferd nur das dreifache seines Eigengewichtes zu bewältigen vermag. Ob es aber wirklich möglich ist, dass ein einzelner Hund einen festgeeisten Schlitten losbrechen kann ist mir nicht bekannt. Man kann das in unseren Breiten auch schlecht überprüfen. Wahrscheinlich ist es aber schon, dass die Goldgräber in Alaska auf solche Ideen kamen, denn Fernsehen und Videospiele, mit denen sie sich die Zeit vertreiben konnten, gab es damals noch nicht. Wir Musher wissen ja selbst aus eigener Erfahrung, dass Jeder von seinen Hunden wie vom Messias und seinen Jüngern spricht. Da liegt es auf der Hand, dass das auch damals in der Goldgräberzeit nicht anders gewesen sein wird. Und vom gegenseitigen Schwärmen über ihre Teams bis zu einer Wette, wer wohl die stärksten Hunde hat, ist es nicht weit.

Dogpulling darf aber nicht verwechselt werden, mit dem Weightpulling, das eine Extremversion dieser Sportart ist und unter dem Welt-Dachverband IWPA (International Weight Pull Association) durchgeführt wird. Bei Schneeveranstaltungen gelten die gleichen Regeln, wie bei Trockenevents. Die Zugstrecke soll nicht weniger als 35 Fuß (10.668 m) lang und zwischen 10 (3.048 m) und 20 (6.096 m) Fuß breit sein. Sehr oft gibt es hier auch Indoorveranstaltungen, was im Dogpulling nicht denkbar ist. Im Weightpulling ziehen die Hunde in verschiedenen Gewichtsklassen.

20 Pfund-Hunde (9,071847 kg) mit einem Gewicht von 20 Pfund oder weniger
40 Pfund-Hunde (18,143695 kg) mit einem Gewicht von 21-40 Pfund
60 Pfund-Hunde (27,215542 kg) mit einem Gewicht von 41-60 Pfund
80 Pfund-Hunde (36,28739 kg) mit einem Gewicht von 61-80 Pfund
100 Pfund-Hunde (45,359237 kg) mit einem Gewicht von 81-100 Pfund
125 Pfund-Hunde (56,699046 kg) mit einem Gewicht von 101-125 Pfund
150 Pfund-Hunde (68,038855 kg) mit einem Gewicht von 126-150 Pfund
Unlimitierte-Hunde mit einem Gewicht von mehr als 151 Pfund (68,492448 kg)

Der Wagen oder Schlitten muß ein Gewicht von 4000 Pfund (1.814,36948 kg) aushalten. Gezogen wird in mehreren Runden und mit jeder Runde wird das Gewicht erhöht. Ein gewöhnliches X-Back Geschirr reicht hier nicht mehr aus. Für Weight Pull gibt es spezielle Schwerlastgeschirre. Die Startgewichte sind für die unterschiedlichen Gewichtsklassen festgelegt.

Weight Pull 20 Pfund Klasse-200 Pfund (90,7184 kg)
40 Pfund Klasse-400 Pfund (181,4369 kg)
60 Pfund Klasse-500 Pfund (226,7963 kg)
80 Pfund Klasse-600 Pfund (272,1554 kg)
100 Pfund Klasse-700 Pfund (362,8739 kg)
125 Pfund Klasse-800 Pfund (362,8739 kg)
150 Pfund Klasse-800 Pfund (362,8739 kg)
Unlimitierte Klasse-800 Pfund (362,8739 kg)

Die Gewichte die nach jeder Runde aufgelegt werden, sollten in den kleineren Klassen zwischen 40 (18,143695 kg) und 50 (22,679619 kg) Pfund und in den größeren Klassen zwischen 100 (45,359237 kg) und 200 (90,718474 kg) Pfund betragen. Gezogen wird immer auf Zeit. Der Hund hat eine Minute um das Gewicht ins Ziel zu bringen.

Der gravierende Unterschied zwischen dem Weightpulling und dem Dogpulling ist, daß beim Weightpull die Gewichte auf Rollwagen geladen werden und im Schnee auf fester Schneedecke gezogen wird. Beim Dogpulling bildet der Untergrund schon einen natürlichen Widerstand, da hier auch im Off-Snow Pulling mit einem Schlitten gezogen wird der auf einer Wiese oder im Matsch steht. Auch die Zeitnahme läuft im Dogpulling anders als beim Weightpull. Hier gilt als Sieger, wer das Gewicht am schnellsten ins Ziel bringt und nicht wer das größte Gewicht ziehen kann.


Dogpulling im SSNH e. V.

Dogpulling Wolfsblut war das erste Buch das ich als Kind gelesen habe und als ich dann eines Tages zum Schlittenhundesport kam, kroch die Erinnerung an diese Geschichte langsam wieder das Rückenmark hoch und setzte sich in meinem Gehirn fest. Ich wollte das unbedingt mal live sehen. Also nutzte ich die Gelegenheit beim Ostercamp des SSNH e.V. in Gräfendorf 2007, es einmal zu probieren. Schnell war ein Schlitten und Gewichte besorgt und eine kurze Strecke von etwa 25m abgesteckt. Die Musher davon zu überzeugen sich mit ihren Hunden daran zu beteiligen war so einfach wie einem Kind ein Eis oder eine Zuckerwatte aufzuschwatzen.
Am Samstag Nachmittag veranstalteten wir ein Training, bei dem wir ausprobierten welche Rassen welche Gewichte zu ziehen vermögen. Alle hatten mächtigen Spaß dabei und waren von der Idee mehr als begeistert. Auch wenn einige Hunde gar nicht verstanden was das alles sollte. Standen sie doch ungewohnter Weise allein vor dem Schlitten und dabei lag doch gar kein Schnee. Spinnen unsere Herrchen und Frauchen jetzt etwa total? Oder haben die gestern doch ein bisschen zu Tief in das Bierglas geguckt? Aber mit etwas überzeugungsarbeit in Form von Leckerchen waren die meisten Vierbeiner dann doch zu bewegen dieses eigenartige Spiel mit zu machen. Mit wachsender Begeisterung brachten die Musher einen Hund nach dem Anderen, um auszuprobieren mit welchem sie am darauf folgenden Tag antreten wollten.

Dogpulling Am Sonntag war es dann soweit. Das erste Dogpulling des SSNH e.V. in Deutschland wurde Wirklichkeit. Siberian Huskies bekamen ein leichteres Gewicht als Alaskan Malamutes und Grönlandhunde aufgeladen um die Chancengleichheit zu gewährleisten. Die Hunde wussten jetzt auch schon worum es ging und zogen den Schlitten mit Begeisterung über die Wiese. Das erste Dogpulling des SSNH e.V. wurde ein voller Erfolg. Der Anklang und die Begeisterung bei den Mushern war so groß, dass der SSNH e.V. beschlossen hat, diese Art des Kräftemessens auch bei weiteren Rennen und Eventveranstaltungen wie der seit 2008 ins Leben gerufenen Musher Convention durchzuführen.
Bei der besagten II. Musher Convention am 21. und 22.03.2009 führte der SSNH e.V. dann das II. Dogpulling durch und auch hier war die Begeisterung groß. Für die Zuschauer ein Highlight, für die Musher ein Riesenspaß. Das Regelwerk jetzt schon etwas ausgereifter, teilte man die Hunde nach Rassen und Kampfgewicht in drei verschiedene Kategorien ein. Junioren (Hunde unter 18 Monaten), die einen einfachen Holzschlitten ohne zusätzliches Gewicht zogen, Siberian Husky und Hunde unter 35kg, denen ein zusätzliches Gewicht von etwa 8kg aufgeladen wurde, und Alaskan Malamute, Grönlandhunde und Hunde über 35kg, die ein Zusatzgewicht von etwa 23kg zu bewältigen hatten. Insgesamt 22 Hunde nahmen teil, wobei Thomas Geil allein mit drei Malamuten und einem Siberian Husky sogar in zwei Klassen vertreten war. Das Ereignis wurde von Ralf Nickel und Heiko Skowranek durchgeführt und von unserem Rennsprecher Rolf Münch am Mikrofon heiter dokumentiert, der auch für den ein oder anderen Lacher bei den begeisterten Zuschauern sorgte.

Dogpulling Die etwa 25m bewältigte der Alaskan Malamute-Westsibirischer Laika Mischling „Amarok" in sagenhaften 6,03 Sekunden und erreichte damit den ersten Platz in seiner Klasse und zugleich Tagesbestzeit, was seinem Herrchen Leo vor Stolz die Brust schwellen ließ. In der Klasse Siberian Husky und Hunde unter 35kg belegte „Alaska", ein Alaskan Malamute Altdeutscher Hütehund Mix, mit ihrem Frauchen Michèle Götz mit 6,18 Sekunden den ersten Platz, und in der Juniorenklasse teilten sich Iris Haack mit „Shorty" und Susanne Harbach mit „Chica" den ersten Rang, die beide nur 7,00 Sekunden brauchten.
Nach dem offiziellen Wettbewerb durften dann auch die Besucher mit ihren mitgebrachten Hunden einmal versuchen, ob ihre lieben Vierbeiner einer solchen Aufgabe gewachsen sind. Geschirre waren hierfür bereitgelegt und so probierten es einige mit Interesse und Begeisterung aus.
Fragt man die Musher, die an diesem Dogpulling teilgenommen haben, dann werden sie mir sicher zustimmen, wenn ich an dieser Stelle auch andere Vereine und Rennveranstalter anregen möchte, sich zu überlegen, in Zukunft bei ihren Rennen oder Trainingslagern auch einmal ein Dogpulling anzubieten. Ein schriftlich niedergelegtes Regelwerk ist in Arbeit und kann bei Sleddogsports Nordhessen bezogen werden.

Heiko Skowranek

 

SSNH Dogpulling Regeln

Zulassung von Mushern und Hunden

1. Mit seiner Anmeldung erkennt der Musher die Bedingungen der Rennausschreibung an.
2. Der Veranstalter kann eine Anmeldung nur unter Angabe einer Begründung ablehnen.
3. Jeder Musher muss für seinen Hund eine das Rennrisiko umfassende Haftpflichtversicherung abgeschlossen haben.
4. Das Mindestalter für Musher beträgt:
- in der Juniorenklasse (Hunde unter 18 Monaten) 12 Jahre
- in der Klasse Siberian Husky und Hunde unter 35 kg 14 Jahre
- in der Klasse Alaskan Malamute, Grönlandhunde und Hunde über 35 kg 18 Jahre
1.5. Hunde können zu einer Gesundheitsuntersuchung durch den Renntierarzt aufgerufen werden.
1.6. Wenn ein Musher sich einer solchen tierärztlichen Untersuchung widersetzt, wird der Hund disqualifiziert.
1.7. Der Rennleiter kann unter Angabe einer Begründung einem Hund oder einem Musher die Teilnahme am Dogpulling verweigern.
1.8. Ist der Rennleiter überzeugt, dass ein Hund nicht fit genug ist, um das Dogpulling sicher zu beenden, dann muss dieser Hund disqualifiziert werden.
1.9. Am Dogpulling teilnehmende Hunde müssen in der Kategorie Junioren mindestens 12 Monate, in den Kategorien Siberian Husky und Hunde bis 35kg und Alaskan Malamute, Grönlandhunde und Hunde über 35kg mindestens 18 Monate alt sein.
1.10. Ein Musher darf mit mehreren Hunden nacheinander auch in verschiedenen Klassen teilnehmen.
1.11. Jeder Hund darf nur einmal teilnehmen.
1.12. Hunderassen die für HD Erkrankungen bekannt sind (z.B. Deutscher Schäferhund) bedürfen eines Gesundheitsnachweises.

2. Klasseneinteilung

2.1. Die Dogpullingklassen werden grundsätzlich unterschieden in Junioren (Hunde aller Rassen unter 18 Monaten), Siberian Husky und Hunde aller Rassen unter 35kg und Alaskan Malamute,Grönlandhunde und Hunde aller Rassen über 35kg.
2.2. Die Hunde der Juniorenklasse ziehen einen einfachen Holzschlitten, ohne zusätzliches Gewicht, über eine Distanz von höchstens 25m.
2.3. Die Hunde der Klasse Siberian Husky und Hunde unter 35kg ziehen einen einfachen Holzschlitten mit einem Zusatzgewicht von mindestens 5kg und höchstens 15kg über eine Distanz von mindestens 25m aber höchstens 50m.
2.4. Die Hunde der Klasse Alaskan Malamute, Grönlandhunde und Hunde über 35kg ziehen einen einfachen Holzschlitten mit einem Zusatzgewicht von mindestens 20kg und höchstens 30kg über eine Distanz von mindestens 25m aber höchstens 50m.

3. Ausrüstung

3.1. Das Dogpulling wird mit einem einfachen Holzschlitten durchgeführt. In der Kategorie Alaskan Malamute, Grönlandhunde und Hunde über 35kg können auch Mitteldistanz- oder Longtrailschlitten benutzt werden.
3.2. Alle Hunde einer Klasse müssen den gleichen Schlitten ziehen. Dieser wird von der Rennleitung gestellt.
3.3. Der Hund muss über ein geeignetes Zuggeschirr (X- Back, Renngeschirr) verfügen.
3.4. Handelsübliche Führgeschirre sind nicht zugelassen.
3.5. Die Zugleine am Schlitten muss über einen Ruckdämpfer verfügen. Dieser wird von der Rennleitung für alle Hunde zur Verfügung gestellt.
3.6. Eine Führleine ist gestattet, darf aber nicht unterstützend eingesetzt werden. Der Hund muss die Last alleine ziehen.

4. Medikamente

4.1. Die Anwendung von Medikamenten und/oder die Durchführung von Maßnahmen (entsprechend den ESDRA-Dopingregeln), die den Zweck haben, Krankheiten oder Verletzungen zu unterdrücken, oder die physische und/oder die psychische Leistungsfähigkeit des Hundes zu steigern, sind verboten.

5. Startpunkt und Zeit
5.1. Der Brushbow (vorderster Teil des Schlittens) ist auf die Startlinie auszurichten.
5.2. Die Zeitnahme beginnt mit dem Startsignal.
5.3. Bei einem Frühstart wird der Start wiederholt. Nach dem dritten Frühstart wird der Hund vom Rennleiter disqualifiziert.
5.4. Die Zeitnahme endet wenn der Brushbow die Ziellinie berührt.
5.5. Bei Zeitgleichheit zweier oder mehrerer Hunde erhalten die zeitgleichen den höheren Rang zugeteilt.

6. Führen des Hundes und Hilfe beim Start

6.1. Die Hilfe am Start ist freigestellt.
6.2. Ein Doghandler darf den Hund bis zum Startsignal festhalten während der Musher im Ziel auf das Startsignal wartet um seien Hund zu locken.
6.3. Der Doghandler darf auch neben dem Hund an der Führleine laufen während der Musher seinen Hund vom Ziel aus lockt. Dabei darf er die Leine aber nicht unterstützend einsetzen.
6.2. Der Musher darf mit einer Führleine neben seinem Hund herlaufen. Dabei darf die Leine jedoch nicht unterstützend eingesetzt werden.
6.3. Der Musher darf seinen Hund vom Ziel aus locken. Dabei erlaubt sind Leckerchen oder Spielzeuge als Lockhilfe.

7. Inspektion

7.1. Der Rennleiter/der Sportwart muss die ordentliche Überprüfung der Zuggeschirre durchführen. Dabei ist auf Passgröße, Zustand und Art der Geschirre (X- Back, Renngeschirre) zu achten. Nicht erlaubt sind Handelsübliche Führgeschirre.

8. Streckenlänge

8.1. Die Strecke in der Klasse Junioren (Hunde unter 18 Monaten) sollte eine Länge von mindestens 15m und höchstens 25m haben.
8.2. Die Strecken in den Klassen Siberian Husky und Hunde unter 35kg, und Alaskan Malamute, Grönlandhunde und Hunde über 35kg sollten mindestens 25m und höchstens 50m haben.

9. Kategorien

9.1. Junioren (Hunde unter 18 Monaten) DPJ
9.2. Siberian Husky und Hunde unter 35kg DP1
9.3. Alaskan Malamute und Hunde über 35kg DP2

10. Dogpullinggewichte

10.1. In der Klasse Junioren (Hunde unter 18 Monaten) sind keine Zusatzgewichte erlaubt.
10.2. In der Klasse Siberian Husky und Hunde unter 35kg sind Zusatzgewichte von mindestens 5kg und höchstens 15kg zulässig.
10.3. In der Klasse Alaskan Malamute, Grönlandhunde und Hunde über 35kg sind Zusatzgewichte von mindestens 20kg und höchstens 30kg zulässig.

11. Tierschutzverordnung

11.1. Es gilt die VDSV Tierschutzverordnung.