Skandinavier Velo

Bikejøring (Skandinavier-Velo/S-Velo)


Grundlegendes

Hier sitzt der Musher auf einem Fahrrad. Er ist mit 1 bis 2 Hunden unterwegs, die er entweder direkt am Fahrrad befestigt oder er trägt einen Bauchgurt mit ruckgedämpfter Leine. Diese Kategorie ist nicht ganz ungefährlich. Unfälle sind hier häufiger als in den anderen Klassen. Unter den S-Velo Fahrern wird sie daher auch scherzhaft als die "Heldenklasse" bezeichnet.


Für S-Velo ist ein stabil gebautes handelsübliches Mountainbike zu verwenden. Wird ein Team der Klasse S-Velo überholt, muß der Teilnehmer seine Hunde nicht zum stehen bringen. Er muß jedoch das Tempo reduzieren und das Team nach rechts lenken. Es ist nicht erlaubt durch vorausfahren Schrittmacherdienste zu leisten. Ebenfalls ist es verboten durch Auffahren die Hunde anzutreiben. In Gefahrensituationen darf die Verbindungsleine gelöst werden. Dazu muß der eingesetzte Gurt über eine geeignete Vorrichtung (Panic-Snap) verfügen. Bei S-Velo darf der größte bedienbare Pedalkranz maximal 36 Zähne aufweisen. Größere Pedalkränze sind zu blockieren oder durch aushängen des entspechenden Schaltzuges zu sperren.
Verletzt sich ein Hund während des Rennens, so hat der Teilnehmer umgehend das Rennen abzubrechen und die Versorgung des Hundes einzuleiten.

Die Geschichte des Bikejöring und Skandinavier-Velo

Zur Zeit recherchiere ich noch in Sachen Herkunft und Geschichte des Bikejöring. Komischerweise ist es schwieriger etwas über die jüngeren Schlittenhundesportarten herauszufinden, als über die Älteren. Erfunden haben das Bikejöring die Franzosen. Die waren auch die ersten, die Bikejöring bei Meisterschaften zugelassen haben. Daher kommen auch noch Teile unserer heutigen Rennregeln. Bei den Franzosen und auch in Bayern, galt die Regel, daß man in der 2 Hunde Bikejöringklasse mit dem Fahrrad ohne Kette fahren muß. Aus dieser Regel heraus ist dann später die Rollerklasse entstanden, weil die Musher mit 2 Hunden an einem Roller schneller voran kamen als mit dem Fahrrad ohne Kette, da sie hier ja wieder mitpedalen konnten.

Es gibt bei dieser Sportart aber auch noch einen zweiten Zugang, über die Schlittenhundeszene. Dort ist sie als Skandinavier-Velo bekannt und entstand aus der Not der Skijörer und Pulkakskier heraus, die Hunde auch in der Schneelosen Zeit trainieren zu können. Man muß hier klar zwischen Bikejöring und Skandinavier-Velo unterscheiden. Obwohl diese beiden Bezeichnungen gerade in den letzten Jahren immer mehr miteinander verschwimmen, so sind es dennoch zwei verschiedene Bereiche der gleichen Sportart.

Der wesentliche Unterschied liegt darin, daß beim Bikejöring eine Unterteilung in Alters- und Geschlechterklassen der Fahrer gemacht wird und für die Hunde lediglich ein Mindestgewicht festgelegt ist. Im Skandinavier-Velo hingegen werden die Fahrer in Geschlechterklassen unterteilt und die Hunde in Rassen. So gibt es die Klassen S-Velo 1 (Siberian Huskies), S-Velo 2 (Alaskan Malamute, Grönlandhunde und Samojeden) und S-Velo 3 (Alaskan Huskies, European Sleddogs und andere Rassen).

Bikejöring:

In Frankreich entstand das Bikejöring fast parallel zum Canicross Ende der 80er Jahre. Canicross wurde 1988 von einigen französischen Veterinärstudenten, die einen Sport für sich und ihre Hunde suchten erfunden. Bikejöring entstand kurz darauf. Daß die Musher schon vorher ihre Schlittenhunde am Fahrrad einspannten ist klar. Fest steht jedoch nicht durch welche Nation sich diese "Trainingsform" etabliert hat. Zutrauen würde ich es den "Finnen", die sind verrückt genug für sowas. Es ist aber auch nicht auszuschließen, das die Amerikaner oder die Canadier die ersten waren die ihre Schlittenhunde mit dem Fahrrad trainierten.

In der Schlittenhundeszene entstand das Skandinavier-Velo aus der Skandinavier-Läuferklasse heraus und diese gab es schon sehr früh. Zur Gründungszeit des DSSV 1983 wurde Skandinavier laufen mit Hund (und Wagen, quasi als Pulka,) schon durchgeführt. Daraus hat sich dann das S-Velo entwickelt, um die Hunde durch den Jogger nicht langsam zu machen. Wann genau das erste Skandinavier-Velo bei einem Schlittenhunderennen duchgeführt wurde ist mir nicht genau bekannt. Es ist aber sehr wahrscheinlich, daß das schon vor 1988 gewesen ist. Vor diesem Hintergrund wird also klar, daß Canicross und Bikejöring keine neue Erfindung war, sonder eher eine Modifikation der Dryland-Skandinavier Klassen außerhalb der Schlittenhundeszene.

Scooterjöring:

Genaue Daten zur Einführung der Scooterklasse im Canicross sind mir noch nicht bekannt.

Skandinavier-Roller:

Wann genau die Rollerklasse im Schlittenhundesport Einzug gehalten hat läßt sich nur schwer nachvollziehen. Sicher ist aber, daß 1995 schon in Luxemburg, Belgien und im Elsass gerollert wurde. Hierzulande gab es damals diese Klasse noch nicht. Zu Anfang wurde das Rollern hier erst belächelt, doch schon bald kam diese Klasse auch nach Deutschland. Damals war die SSG aus dem Saarland mit antreibender Club für das Rollern. Es folgte Karl-Heinz Raubuch mit 2-3 Rennen und dann machte der RSSV und viele andere auch die Türen für den Roller auf.

Skandinavier-Velo:

In der Schlittenhundeszene entstand das Skandinavier-Velo aus der Skandinavier-Läuferklasse heraus und diese gab es schon sehr früh. Zur Gründungszeit des DSSV 1983 wurde Skandinavier laufen mit Hund (und Wagen, quasi als Pulka,) schon durchgeführt. Daraus hat sich dann das S-Velo entwickelt, um die Hunde durch den Jogger nicht langsam zu machen. Die Umstellung erfolgte schrittweise nach dem Öffnungsbeschluss von 1986. Während im AGSD die Skandinavierklasse bei Wagenrennen weiter so betrieben wurde, daß ein Läufer einem Hund folgte, der eine Rollpulka mit Gewicht zu ziehen hatte, wurde im DSSV schon 1989 die Skandinavierklasse so ausgetragen, daß der Hund zwar immer noch die Rollpulka zog, der Mensch aber auf dem Bike fuhr. Die Verbindung ging von Bauchgurt zur Rollpulka. 1990 wurde beim Wagenrennen in Severloh (08. und 09.12) die S-Klasse als Bikejöring mit 1 bis 2 Hunden ausgetragen. Vor diesem Hintergrund wird also klar, daß Canicross und Bikejöring keine neue Erfindung war, sonder eher eine Modifikation der Dryland-Skandinavier Klassen außerhalb der Schlittenhundeszene.

Meisterschaften:

Am 18. November 2005 wurde der Canicross und Bikejöring Verband Deutschland (CBVD) gegründet. Am 23. und 24. September 2006 fand die erste Deutsche Meisterschaft und EM Qualifikation in Völklingen statt. Die erste Europameisterschaft im Canicross organisierte die European Canicross Federation (ECF) bereits 1998 in Malonne (Belgien). Bikejöring wurde als EM-Disziplin erstmalig im Jahre 2000 bei der Europamaisterschaft in Valeyres sous Rance (Schweiz) zugelassen. Die erste Weltmeisterschaft wurde 2002 in Ravenna (Italien) durchgeführt.

Im Deutschen Schlittenhunde Sport Verband (DSSV, gegründet 1983) fand eine Deutsche Meisterschaft für die Skandinavier-Velo- und Scooter erstmals 2006 statt. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden die Dryland-Klassen offiziell nur als Trainingsmöglichkeit in der Off-Snowsaison angesehen und es gab lediglich die Option in der Canicross und Bikejöringszene einen Titel zu erringen.

Bikejöring heute:

Bikejöring gehört heute zu den Dryland-Skandinavierklassen und kann nur in der Off-Snowsaison stattfinden. Viele Bikejoerer steigen in der Schneesaison auf Skijöring oder Pulkaskiing um. Einige aus der 2 Hunde Bikejöringklasse fahren in der Schneesaison auch in der D-Klasse mit 2 Hunden am Schlitten. Obwohl die D-Klasse ursprünglich als Jugendklasse eingeführt wurde, stiegen viele Bikejörer auf diese Kategorie um und etablierten dadurch die D-Klasse als eigene Kategorie bei Schlittenhunderennen. Leider ist seit der Saison 2010/2011 die D-Klasse bei Meisterschaften nicht mehr zugelassen. Und auch die 2 Hunde Bikejörer sind bei Meisterschaftsläufen nicht mehr erlaubt, wie die internationalen und nationalen Schlittenhunde Verbände beschlossen haben. So sind die 2 Hunde Bikejörer dazu gezwungen bei DM, EM und WM im Skijöring oder Pulkaskiing anzutreten und dürfen bei Off-Snowrennen nur noch mit einem Hund starten.

Unter den Bikejörern wird die S-Velo Klasse (Skandinavier Velo) auch scherzhaft "Heldenklasse" genannt, weil sie unumstritten die gefährlichste und rasanteste Skandinavierklasse ist. Viele die ihr Glück erst im Bikejöring versuchten, sind dann auf die Scooterklasse umgestiegen, weil sie sich auf einem Roller einfach sicherer fühlen, als auf dem Fahrrad, welches einem keine Fehler verzeiht. Ich habe auch schon viele Rollerfahrer gesehen, die ohne Neckline fahren, was man mit dem Fahrrad tunlichst vermeiden sollte. Bei solchen Kapriolen sind schon die schlimmsten Unfälle passiert und selbst der erfahrendste Bikejörer ist vor Stürzen nicht gefeit.

"Bikejöring für Einsteiger und Dummies"

1. "Der richtige Hund"

Natürlich kann man mit jedem Hund, der Spaß daran hat bikejören, aber wir beschreiben hier erstmal das Idealbild.

Für die Sportarten Bikejöring und Scooterjöring eignen sich am besten Hunde mit einer Mindestschulterhöhe von 60 cm (wenn größer, um so besser). Lage Beine und ein ebenfalls langer Rücken sind für die Geschwindigkeit von Vorteil. Das extremste Beispiel wäre ein Windhund. Beobachtet man ihn im Lauf, dann kann man sehen, daß er seine Langen Hinterläufe im Sprint sehr weit nach vorne werfen kann, dabei krümmt er den Rücken sehr stark ein. Er bringt also schon die anatomischen Voraussetzungen mit, um extrem hohe Geschwindigkeiten zu erreichen. Das ist auch schon unser erstes Schlagwort, die "anatomische Voraussetzung". Es wird nicht viel Sinn machen mit einem Pitbull ins rennen zu gehen, der für hohe Geschwindigkeite viel zu kompakt gebaut ist. Pitbulls oder Staffordshire Terrier eignen sich aber dafür sehr gut zum "Weightpulling".

Die Wahl des Hundes hängt natürlich auch davon ab, welche der beiden Varianten (Bikejöring oder Skandinavier-Velo) man bevorzugt. Bikejoering wird auch im Sommer betrieben und Skandinavier-Velo findet eher in der kalten und vorwiegend nassen Jahreszeit statt. Im Sommer mit einem "Nordischen Hund" anzutreten macht keinen Sinn, weil Nordische Hunde wie Siberian Huskies oder Grönlandhunde bei Wärme in der Regel langsamer laufen und die Gefahr der Überhitzung und Dehydrierung zu groß ist. Im "Skandinavier-Velo" liegen die Dinge wieder ganz anders. Einem Saluki oder Windhund sollte man nicht unbedingt zumuten das Wochenende in Kälte und Regen zu verbringen. Hier sind die Nordischen Schlittenhunderassen besser geeignet.

Im Bikejoering gibt es keine Rassentrennung bei Rennen, im Skandinavier-Velo allerdings schon. Hier unterteilt man in "reinrassig - Alaskan Malamute, Grönlandhunde, Samojeden", "reinrassig - Siberian Huskies" und "offen - Alaskan Huskies, Europäische Schlittenhunde und andere Rassen".

Wer in der "Formel 1 Klasse" unter den S-Velokategorien starten will, der entscheidet sich wohl für einen "Alaskan Husky" oder besser noch, für einen "Europäischen Schlittenhund", sie gehören zu den schnellsten in diesem Sport. Die European Sleddogs sind nicht klar definiert, was den Rassestandard angeht. So gehören dazu die "Skandinavian Hounds" ebenso wie der "German Trailhound". Es sei aber auch erwähnt, daß diese Hunde sehr viel anfälliger sind als die ursprünglichen Nordischen. Blutige und aufgeschürfte Pfoten kommen bei diesen Rassen trotz Booties sehr viel häufiger vor.

Will man in der Kategorie "Siberian Huskies" starten, dann sollte man auch darauf achten, daß es hier die unterschiedlichsten Zuchtlinien gibt. Die meißten Huskies in Deutschland entstammen ursprünglich der Zero-Linie, aber auch hier gibt es sehr starke Unterschiede, was den Körperbau angeht, der von kompakt bis gestreckt reicht.

In der Kategorie Alaskan Malamute, Grönlandhunde und Samojeden gilt es darauf zu achten, daß der Hund nicht zu schwer ist. Man sollte auch bedenken, daß Malamuten und Grönlandhunde im Allgemeinen sehr viel früher Alterserscheinungen zeigen als beispielsweise Siberian Huskies oder Europäische Schlittenhunde.
Man sollte darauf achten sich einen Schlittenhund bei einem Züchter zu holen, der selbst auch Rennen fährt. Er kann auch am besten einschätzen, welcher Hund aus seinem Wurf für S-Velo am geeignetsten ist. Nicht jeder Hund aus einem Wurf ist unbedingt ein guter Velohund. Sich beim Kauf eines Schlittenhundes vom Aussehen beeinflussen zu lassen ist auch nicht ratsam, denn was nützt es mir, wenn mein "Nordischer Freund" die schönste Fellzeichnung hat, aber nicht anständig läuft! Kauft man seinen Hund nicht bei einem anerkannten Rennhundezüchter, erfordert es einiges an Erfahrung und Kenntnissen über Hunde, man braucht schon einen geübten Blick um die Anlagen des Tieres zu erkennen. Es gibt auch sehr viele Züchter, die es leider nicht für nötig halten nach den vom Zuchtverband vorgeschriebenen Regeln zu züchten. Am besten informiert man sich sehr genau, aus welchem Kennel man sich seinen neuen Freund holt. Denn hat man ihn erst einmal gekauft, dann hat man ihn im besten Fall mindestens für die nächsten 15 Jahre. Außerdem bietet ein guter Züchter auch noch nach dem Kauf weiter seine Hilfe an und steht einem mit Rat und Tat zur Seite.

2. "Das richtige Zubehör"

Um Bikejöring, Skandinavier-Velo oder Skandinavier-Scooter zu betreiben, bedarf es einiges an Zubehör. Das richtige Trainingsfahrzeug ist das wichtigste und sollte sorgfältig ausgewählt werden. Man muß dabei berücksichtigen, welchen Anforderungen es gewachsen sein muß. Beim Bikejöring ist die Wahrscheinlichkeit, daß wir damit oft im Regen fahren etwas geringer als beim Skandinavier-Velo oder Scooter. Dann braucht man natürlich noch einen Helm, ein geeignetes Zuggeschirr und eine Joeringleine mit Bauchgurt und in der 2 Hundeklasse noch eine Neckline. Anstelle eines Bauchgurtes ist es auch erlaubt die Leine direkt am Fahrrad oder Roller zu befestigen.

Das Fahrrad:
Das wichtigste Utensil ist selbstverständlich das Fahrrad oder der Roller. Ein Handelsübliches Mountainbike ist beim Bikejoering sowie auch beim Skandinavier-Velo die beste Wahl und im Reglement auch vorgeschrieben. BMX Räder oder Rennräder sind erstens nicht geeignet und zweitens nicht erlaubt. Man muß darauf achten, daß der größte Zahnkranz 36 Zähne nicht überschreitet, da dieses in den Rennregeln festgelegt ist. Diese Regel wird zwar nicht bei allen Rennleitern berücksichtigt, aber hat man vor an Meisterschaften teilzunehmen, ist es doch ratsam.

Der Roller:
Bei einem Roller ist zu berücksichtigen, daß es ein off-road geeigneter Tretroller ist, mit einer Mindestradgröße von 24 Zoll und einem geeigneten Bremssystem.

Der Helm:
An einem guten Helm sollte man nicht sparen. Gerade Anfängern ist es anzuraten niemals ohne geeigneten Kopfschutz zu fahren. Bei Rennen ist er mittlerweile auch Pflicht. Der Helm muß richtig sitzen und nicht auf dem Kopf hin und her wackeln. Ich habe schon mit eigenen Augen gesehen, daß nach einem Sturz ein Kieselstein fest im Helm steckengeblieben ist. Man kann sich vorstellen, was ohne Helm passiert wäre.

Das Zuggeschirr:
Das Zuggeschirr muß dem Hund richtig angepaßt sein damit er optimal arbeiten kann. Dazu ist es notwendig ein extra hierfür vorgesehenes Schlittenhundegeschirr zu verwenden. Vorzugsweise ein X-Back Geschirr, das die Last auf Brust und Schultern verteilt. Ein normales Führgeschirr reicht nicht aus und schadet dem Hund nur, da er nicht wie bei einem Zuggeschirr aus den Hinterläufen ziehen kann, sondern aus der Körpermitte. Das kann Schäden an der Wirbelsäule verursachen. Ich habe auch schon gesehen, daß Schwerlastgeschirre, wie man sie beim "Weightpulling" einsetzt, verwendet werden.

Der Bauchgurt:
Der Bauchgurt, sollte man sich dafür entscheiden, muß eine Mindestbreite von 14 cm haben. Ob man mit oder ohne Bauchgurt fährt ist eine Entscheidung, die man sich gut überlegen sollte. Hat man die Hunde am Trainingsfahrzeug befestigt und stürzt, dann kann es passieren, daß die Hunde mit dem Fahrrad oder Roller im Wald verschwinden. Hat man sie dann wiedergefunden, weil sich das Fahrrad oder der Roller um einen Baum gewickelt hat, muß man dann feststellen, daß es Schrott ist und somit ist das Rennen gelaufen. Aus meiner eigenen Erfahrung heraus muß ich sagen, daß die Bauchgurtvariante die bessere Lösung ist. Stürzt man hier, dann bekommen die Hunde es eher mit und bleiben auch stehen.

Die Anbauvorrichtung:
Will man die Zugleine am Fahrrad befestigen, gibt es hierfür spezielle Anbauvorrichtungen im Fahradfachhandel oder in Onlineshops für Schlittenhundezubehör. Diese gibt es auch mit einer Antennenvorrichtung, die verhindern soll, daß die Leine sich in den Speichen verfangen kann. Beim Anbau gilt es zu berücksichtigen, die Vorrichtung so tief wie möglich zu befestigen, aber nicht tiefer als die Schulterhöhe des Hundes beträgt.

Die Joering- oder Zugleine:
Dann braucht man noch eine Joeringleine. Die gibt es allerdings ausschließlich in Onlineshops für Schlittenhundezubehör. Die Leine sollte nicht kürzer als 2 m und nicht länger als 2,5 m sein und über einen eingebauten Ruckdämpfer verfügen. Die Joeringleine ist bei diesem Sport ständig hohen Belastungen ausgesetzt und sollte daher jedes Jahr erneuert werden.

Die Neckline:
Fährt man mit 2 Hunden, braucht man auch noch eine Neckline, um die Hunde am Halsband miteinander zu verbinden. Das ist deshalb wichtig, damit nicht ein Hund nach Links und der andere nach Rechts läuft. Bei Joeringleinen für 2 Hunde sollte beim Kauf eine Neckline dabei sein, wenn nicht, dann unbedingt dazukaufen.

3. "Ausbildung und Training"

Grundlegendes zur Ausbildung:
Bei der Ausbildung kommt es auf die richtige Vorgehensweise an. Hier kann man viel falsch machen. Wenn man dabei Fehler macht rächt sich das später in jedem Fall. Und man bekommt diese Fehler dann, wenn überhaupt, nur mit viel Mühe wieder ausgemerzt. Also ist es wichtig hier genau darauf zu achten absolut konsequent vorzugehen. Beim Kommandotraining achten wir darauf immer hinter dem Hund zu bleiben. Am besten lernt der Hund, wenn er selbst entscheidet! Das heißt wir vermeiden es den Hund aktiv zu korrigieren. Beim Kommandotraining üben wir immer ohne Geschirr. Der Grund dafür ist, daß wir nicht wollen, daß er das Gassitempo mit dem Geschirr in Verbindung bringt. Auch das ziehen an der Leine verbieten wir ihm nicht, da wir ja eigentlich genau das von ihm später erwarten. Wir vermeiden es ebenfalls, ständig alles was der Hund tut zu kommentieren. Reden wir dauernd auf ihn ein, dann wird er irgendwann abschalten. Auch der Ton macht die Musik. Die Kommandos müssen nicht gebrüllt werden. Ein klarer, bestimmter Tonfall ist angemessen. Selbst mit dem Lob gehen wir gezielt um. Loben wir zu Anfang noch überschwänglich und ausgiebig, so verringern wir es mit zunehmender Kommandosicherheit. Übermäßiger Druck oder gar Schläge sind ein absolutes Tabu. Eigentlich sollte man das gar nicht erwähnen müssen, aber leider habe ich schon oft mit ansehen müssen, daß Hundehalter so verfahren. Als letztes sei noch gesagt, daß wir Ruhe und Gelassenheit ausstrahlen sollten um nicht mit Hektik den Hund in Streß zu versetzen.

Rechts, Links:
Das wichtigste in der Anfangsphase der Ausbildung, sind erst einmal die Kommandos. Der Hund muß lernen was Links und was Rechts ist, denn er wird ja voraus Laufen und das Fahrrad ziehen. Also muß er wissen, wann und wohin abgebogen werden soll. Das Alter des Hundes spielt dabei keine große Rolle. Jeder Hund kann lernen wo Links und Rechts ist.
Am leichtesten lernt der Hund diese Kommandos, wenn man sie im alltäglichen Leben einsetzt. Beim Gassigehen, an der Leine, sagt man vor jedem Richtungswechsel einfach immer an welche Richtung man einschlagen will. Die Kommandos die man dabei benutzt sollten klar und immer die Selben sein. Die meisten Musher benutzen die internationalen Schlittenhundebefehle Haw (für Links) und Gee (für Rechts). Man kann aber auch einfach bei Links und Rechts bleiben, dem Hund ist das egal. Das muß man für sich selbst entscheiden. Ich kann aber den Rat geben, lieber in der Muttersprache zu bleiben, da man das für sich selbst am besten verinnerlicht hat. Ich habe schon sogenannte Musher gesehen, die ihrem Leithund ein Gee zugerufen haben, aber eigentlich Links meinten. Der Hund bog dann nach Rechts ab, wie befohlen und wunderte sich, daß sein Musher von hinten immer wieder rief Gee, geeeee! Nein, gee! Gee!

Geradeaus:
Bei meinen Hunden ist es so, daß sie beim anfahren einer Kreuzung schon einen Befehl erwarten. Man sieht das an ihrer Kopfhaltung und am Ohrenspiel. Darum habe ich ihnen auch den Befehl: Geradeaus (go ahead oder straight away!) beigebracht. Das hat den Effekt, daß sie aus ihrer Erwartungshaltung herauskommen und sogar noch einen Zahn zulegen.

Tempowechsel:
Beim Tempowechsel ist es etwas anders als bei den Richtungswechseln. Hier ist es von Vorteil, wenn der Hund noch sehr Jung ist. Ein älterer Hund, der es vielleicht sogar noch dazu gewöhnt ist immer Vollgas zu geben, wird sich nur schwer daran gewöhnen, auf Kommando langsamer zu laufen. Aber auch das geht! Am besten übt man das auch schon an der Führleine. Man sagt dem Hund an was man im nächsten Augenblick tun will, also schneller (Go!), wenn man das Tempo erhöhen will und langsam (Easy!), wenn man das Tempo verlangsamen will.

Line out:
Ich habe die Erfahrung gemacht, daß einige Musher diesen Befehl benutzen und eigentlich gar nicht wissen, was er bedeutet. Ich frage mich dann immer woher es denn der Hund wissen soll?
Um das ein für alle mal klar zu stellen! Was ich dem Hund nicht beibringe, kann er nicht wissen! Es nützt nichts sich hinzustellen und dem Hund ein Kommando zuzurufen, das er nicht gelernt hat. Ich weiß nicht was in den Köpfen solcher Leute vorgeht? Denken sie vielleicht ein Schlittenhund hat die Befehle schon im Erbgut? So ist es jedenfalls nicht! Der Befehl Line out wird zumeist beim einspannen benötigt. Er sagt dem Leithund, daß er die Zugleine straffen soll, dann fällt es einem leichter die anderen Hunde einzuspannen. Dieser Befehl mag für Bikejörer jetzt nicht wirklich wichtig erscheinen, ist aber doch hilfreich wenn man ihn am Start einsetzt. Man verhindert damit, daß es beim Anfahren zu sehr in den Ruckdämpfer knallt. Auch diesen Befehl übt man am besten schon an der Führleine. Dabei sollte der Hund aber schon ein Zuggeschirr tragen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wo der Straffungspunkt der Zugleine liegt.

Nein (on the way)!:
Dieser Befehl dient dazu die Hunde zu ermahnen, nicht dem Reh hinterher zu laufen das gerade den Trail kreuzt. Nein, das sollte jeder Hund gelernt haben, ist der allgemeine Befehl für unerwünschtes Verhalten. On the way soll ihnen vermitteln auf dem Trail zu bleiben. Wie schon bei den anderen Kommandos ist es hier besonders wichtig es den Hunden beizubringen, bevor man in der Situation steckt, denn dann ist es schon zu spät und man rast wahrscheinlich querwaldein, bis dann an der nächsten hervorstehenden Wurzel die Fahrt abrupt und mit viel Geschrei und Getöse endet.

Vorbei:
Wichtig für Begegnungen mit anderen Hunden ist das Kommando (Vorbei!). Hier ist es ratsam am Anfang zu versuchen, ob es ausreicht das Tempo zu erhöhen und einen kurzen Sprint einzulegen, damit der Hund an seinem Artgenossen vorbei läuft. Dazu verwenden wir den Befehl (Schneller!). Das sollte eigentlich gut funktionieren. Zieht er dennoch in die Richtung des anderen Hundes, kommt ein klares (Nein!) und wir versperren ihm den Weg, indem wir neben ihm laufen. Wichtig ist, daß der Hund absolut kein Erfolgserlebnis erfährt. Hat er es erstmal geschafft nahe genug an den anderen Heranzukommen und im schlimmsten Fall auch noch eine Beißerei anzufangen, haben wir ein ernsthaftes Problem.

Soviel erstmal zu den Kommandos! Jetzt widmen wir uns der eigentlichen Sache, der Zugarbeit.

Zugarbeit:
Wichtig ist, daß der Hund sich daran gewöhnt Lasten zu ziehen. Wir setzen voraus, daß er an sein Zuggeschirr schon gewöhnt ist. Das hat er ja schon beim line out gelernt. Der Hund sollte bei seinem ersten Zugtraining nicht jünger als 9 Monate sein und das Training darf auch nicht zu lange dauern. Die Last soll nicht zu schwer sein. Ein ausgedienter Autoreifen erfüllt hier seinen Zweck. Man fängt erstmal mit kurzen Strecken an 25 bis 50 m müssen hier reichen. Am besten ist man beim ersten Zugtraining zu Zweit und stellt sich in der genannten Entfernung auf. Dann gibt man das Kommando (Go!) oder Los! Der Hund sollte jetzt den Autoreifen bis zur anderen Person ziehen und wird dann überschwänglich gelobt. (Anmerkung: Belohnung durch Leckerlis ist nicht ratsam, denn der Hund könnte das dann auch beim Fahrradtraining erwarten. Ich habe mir angewöhnt meine Hunde beim Training nur verbal zu Loben. Leckerlis gibt es bei mir nur für Übungen und kleine Kunststückchen, die mit dem Mushen nichts zu tun haben.) Das ganze wiederholen wir einige male. Man muß aber darauf achten die Übung abzubrechen, bevor der Hund von selbst die Lust verliert. Damit erreicht man, daß er hoch im Trieb bleibt. Das wird später noch sehr wichtig werden. Diese übung setzen wir die nächsten 3 Monate fort und erhöhen die Distanzen nach und nach. Erst wenn der Hund ein Alter von 12 Monaten erreicht hat, können wir die Last erhöhen. Jetzt ist auch die Zeit gekommen um ein erstes kurzes Training mit dem Fahrrad oder Roller zu wagen.

Fahrradtraining:
Beim ersten Training am Fahrrad wird es jetzt ernst. Nun stellt sich heraus, wie gut die bisherige Ausbildung war. Zu Anfang wählen wir eine kurze Strecke von etwa 2 km aus. Man könnte sagen, für die ersten Trainingseinheiten ist es ratsam eine Strecke zu wählen, die nicht von Gassigehern frequentiert ist um zu vermeiden, daß unser Hund Freunde trifft die er vom Gassigehen her kennt und mit denen er gewöhnlich spielt. Aber wenn wir konsequent den Befehl Nein (on the away!) trainiert haben sollte das nicht nötig sein. Etwa eine Stunde vor dem Training bekommt der Hund eine Kraftbrühe aus Fleisch oder Innereien. Lunge, Leber, Geflügel, Fisch, Lamm oder Rind eignen sich hierfür besonders gut. Ist der Hund gewässert, soll er noch etwas Ruhen, bevor es dann endlich losgehen kann. Die Kraftbrühe gibt ihm die nötige Energie, belastet ihn aber nicht so sehr, daß er keine Leistung mehr bringen kann. Trainieren darf er auf keinen Fall mit vollem Magen. Erstens wird er dann Träge und zweitens besteht bei einigen Schlittenhunderassen die Gefahr einer Magendrehung. Dann kann es aber endlich los gehen. Also auf in den Sattel und Go! Jetzt können wir das in der Ausbildung gelernte umsetzen. Wichtig ist es, die Zugleine immer straff zu halten. Das ist jetzt nicht wie beim Line out die Aufgabe des Hundes, sondern die des Mushers. Wird der Hund langsamer, dann müssen wir leicht Bremsen um die Leine wieder zu spannen. Aber nicht zu stark bremsen, wir wollen ja nicht anhalten. Wir achten darauf immer hinter unserem Hund zu bleiben. Das antreiben durch auffahren ist ein Tabu. Entweder gelingt es uns den Hund allein durch das Kommando schneller (Go!) dazu zu bewegen schneller zu laufen oder wir passen unser Tempo dem des Hundes an. Nach dem Training wird der Hund selbstverständlich als erstes versorgt. Das heißt wässern und Geschirr ausziehen, die Pfoten überprüfen und eventuell einen kleinen Snack. Aber nur einen kleinen Snack, denn auch eine ½ bis 1 Stunde nach dem Training sollte der Hund sich nicht den Magen vollstopfen. Jetzt erst können wir uns um uns und unser Trainingsgerät kümmern, was Trinken, raus aus den Trainingsklamotten und Duschen.

Die Trainingseinheiten sollten am Anfang nicht Täglich stattfinden. Zwischen dem ersten und dem zweiten Training lassen wir ruhig 3-4 Tage vergehen. Dann Fahren wir die nächste Runde. In den ersten Wochen lassen wir es erst mal bei 2 km und erhöhen dann langsam nach und nach auf 3, 4, und dann auf 5 km. Mehr brauchen wir beim Bikejöring nicht. Es ist effektiver 5 km im vollen Tempo zu fahren als 10 km im Trab. Immerhin zielen wir ja darauf ab Rennen zu fahren und da kommt es uns auf Geschwindigkeit an. Auch die Abstände zwischen den Trainingstagen können wir jetzt mit zunehmender Kondition unseres Hundes verkürzen, aber nicht bis zum täglichen Training wir lassen uns mindestens einen Tag frei zwischen den Trainingstagen. Drei- viermal die Woche reicht völlig aus. Wir passen unser Training auch den Außentemperaturen an. Bei 18 Grad Plus sollten wir nicht unbedingt 5 km bei voller fahrt machen. Wir verkürzen dann einfach die Strecke. Man sollte auch nicht immer die gleiche Strecke fahren. Um die kondition zu fördern eignen sich Strecken mit vielen Bergaufpassagen, für das Speedtraining sind überwiegend ebene Routen vorteilhafter. Ein weiterer Grund ist, daß die Hunde sich an variierende Strecken gewöhnen müssen. Bei Rennen fahren wir ja auch nicht immer den gleichen Kurs.

Wenn man all diese Dinge berücksichtigt, steht einem erfolgreichen Bikejöring nichts im Wege. In diesem Sinne "Good Mush!"

Heiko Skowranek